Eine einzelne negative Bewertung kann in einer Branche, in der Vertrauen alles ist, unverhältnismäßig schwer wiegen. Der erste Impuls ist bei fast allen derselbe: Weg damit. Genau von diesem Reflex rate ich ab. Sinnvoller ist eine feste Reihenfolge: durchatmen, antworten, verdrängen.

Warum ich vom Lösch-Reflex abrate

Um Löschungen ist eine ganze Industrie entstanden, Dienstleister, die gegen Gebühr versprechen, unliebsame Bewertungen zu entfernen. Ich halte davon wenig. Google entfernt Bewertungen nur bei klaren Richtlinienverstößen, etwa Beleidigungen oder Bewertungen ohne jeden echten Kontakt. Ehrliche, aber harte Kritik fällt nicht darunter, und genau die macht den Großteil der schlechten Bewertungen aus. Wer trotzdem auf Löschung setzt, investiert Zeit und Geld in ein Verfahren mit geringer Aussicht, riskiert Eskalation, denn der Verfasser bekommt davon unter Umständen Wind und legt nach, und löst das eigentliche Problem nicht: Das Profil bleibt dünn und damit verwundbar. Dazu kommt ein Punkt, der oft übersehen wird: Wer systematisch versucht, kritische Stimmen zu entfernen, bewegt sich in Richtung eines geschönten Bewertungsbilds, und genau das werten Plattformen und Wettbewerbsrecht als irreführend. Die Energie ist in den nächsten beiden Schritten deutlich besser angelegt.

Schritt 1: Antworten, ohne die Schweigepflicht zu verletzen

Hier passieren die teuersten Fehler. Die ärztliche Schweigepflicht gilt auch online, und sie umfasst bereits die Information, dass jemand überhaupt Patientin oder Patient war. Eine Antwort wie „Bei Ihrer Behandlung ist alles korrekt gelaufen" bestätigt genau das und kann berufsrechtliche Folgen haben. Sicher antworten heißt: freundlich, sachlich und ohne jeden Bezug auf eine konkrete Behandlung. Etwa so: Man nehme Kritik ernst, könne öffentlich aus rechtlichen Gründen nicht auf Einzelheiten eingehen und biete ein direktes Gespräch an. Das wirkt auf Mitlesende souverän, und für die entscheiden Sie mit Ihrer Antwort ohnehin, nicht für den Verfasser.

Schritt 2: Verdrängen durch echte Bewertungen

Der nachhaltigste Umgang mit einer schlechten Bewertung ist Mathematik. Eine Ein-Stern-Bewertung zwischen acht Bewertungen zieht den Schnitt spürbar nach unten, zwischen achtzig fällt sie kaum auf und rutscht in der Anzeige schnell nach unten. Der Hebel ist also ein stetiger Zufluss echter Bewertungen zufriedener Patientinnen und Patienten, wie Sie den rechtssicher aufbauen, ohne gegen Berufsrecht zu verstoßen, habe ich separat beschrieben.

Was Sie auf keinen Fall tun sollten

Bewertungen kaufen, Mitarbeiter zu Gefälligkeitsbewertungen anhalten oder den Verfasser öffentlich angreifen. Gekaufte Bewertungen sind wettbewerbswidrig und fliegen auf, und ein öffentlicher Schlagabtausch schadet mehr als jede einzelne Kritik. Auch das Drohen mit Anwälten in der öffentlichen Antwort wirkt auf Mitlesende abschreckender als die Bewertung selbst.

Eine schlechte Bewertung ist ein Ereignis. Wie Sie darauf antworten, ist Ihre Visitenkarte, und die lesen alle, die danach kommen.

Ein gepflegtes Bewertungsprofil zahlt übrigens direkt auf die lokale Sichtbarkeit ein und macht auch jede Werbekampagne wirksamer, denn geprüft werden Sie sowieso.